Start > Chronik > Geschichte

 

Kleine Heimatkunde EllmauGeschichte

 

Erste schriftliche Erwähnung des Ortes Ellmau

Historiker gehen davon aus, daß das besiedelte Land grundsätzlich dem Führer des Stammes, dem Herzog, gehörte, der es an Adelige und Freie, an Kirchen und Klöster, je nach ihrer Rangordnung und den herzoglichen Diensten vergab. So entstanden weltliche und geistliche Grundherrschaften, die bis ins 19. Jahrhundert einen wesentlichen Bestandteil unserer Gesellschaft bildeten. Die Grundherrn bewirtschafteten ihre Güter nicht selbst, sondern entlehnten (Lehen) sie gegen Abgaben vom Ertrag (Zehent) an Bauleute (Bauern). Um die Siedlungen besser verwalten zu können, teilten die bayrischen Machthaber die Gebiete in Grafschaften. Der heutige Bezirk Kufstein war die "Landgrafschaft im Indale". Die reichbegüterte Sippe der Rapotonen übte um die Jahrtausendwende die Grafschaftsgewalt im Inntale aus.
Die erste schriftliche Erwähnung des Ortes Ellmau finden wir in einer Urkunde des Klosters Herrenchiemsee um das Jahr 1155. Darin übergibt Sigboto von Steteheim, Ministerialer des Markgrafen Engelbert von Istrien, sein Gut "in Elmouwe situm in loco Horngahe" (= in Ellmau gelegen in der Ortschaft Horngach) mitsamt dem Leibeigenen Bezimann und dessen Sohn, wie dessen Bruder Heinrich und seine Söhne an das Stift Chiemsee.

Recht und Gericht im Mittelalter

Um 1240 bauten die Wittelsbacher als Landesherren die Grafschaften ab und gliederten das Herzogtum in Ämter. Aus der "Grafschaft im Indale" wurden die Landgerichte Kufstein und Rattenberg. Diesen Landgerichten stand die Blutsgerichtsbarkeit zu, also die Aburteilung schwerer Verbrechen und die Verhängung der Todesstrafe. Die Landgerichte waren aufgeteilt in kleinere Gerichts- und Verwaltungssprengel, den Schrannen, wo sich nach altem Brauch einmal oder öfter im Jahr die Vertreter der Obrigkeit zu Gerichtstagen (Ehehaftstaiding) versammelten. Bei schönem Wetter fand die Versammlung im Freien statt, wo für Richter und Geschworene auf dem Dorfplatz unter einer Linde ein eigener Platz mit Baumstämmen abgeschrankt (Schranne) war. Dabei wurden Verordnungen verlautbart, Rechtshändel entschieden, aber auch Verwaltungsangelegenheiten besprochen und beschlossen. Die Pfarrgrenzen waren meistens auch die Schrannengrenzen. So gehörten Ellmau, Scheffau und Niederau zur Schranne Sölland.
Die geltenden Rechtsbräuche, wie sich die Bewohner gegenüber dem Landesherrn, den Grundherrn und in der Dorfgemeinschaft zu verhalten hatten, regelten mündlich überlieferte Rechtsgewohnheiten, die in späteren Jahren aufgezeichnet wurden (Weistümer). Ein solches ist das

Weistum des Söllandes

"Gemeinrecht" der Schranne Söll
Es beinhaltet Rechte und Gewohnheiten die "Seler und Elmawer chreiztracht vermainent zu haben". Von des Fürsten Gnade haben Höfe, die eine offene Zufahrt zum "Marchenpach" (Hausbach) haben, das Recht, ihr Vieh auf den "Freyberg" zu treiben. Aber niemand solle den anderen übervorteilen.
Es darf jedermann in dem gemeinsamen Wald soviel Holz schlagen, als er selbst notdürftig braucht, aber er darf davon nichts verkaufen. Durch die Gnade des Fürsten ist jeder, ob arm oder reich, berechtigt, das Wasser und die Weide entlang des freien Achengrundes zu nützen. Ausgenommen sind Wiesen, Bergmäder, Bannwald und Almweiden.
Jedermann hat das Recht, sein Vieh und Gut im Hofe zu verkaufen und muß die Waren nicht auf den Markt bringen. Doch muß "wie von alters herkommen ist" Zoll (Steuer) bezahlt werden. Ebenso dürfen Sämer Wein in das Land bringen und außerhalb einer Meile Wegs von den Städten und Märkten verkaufen. Die Nachbarn haben das Recht, Streitigkeiten von Landsassen zu richten. Ausgenommen sind Raufereien mit blutigem Ausgang. Derlei Entscheidungen sind dem Richter vorbehalten. Ist der Übeltäter ein Einheimischer, darf er "nicht gebunden, noch gefangen als ain schedlichen Mann" nach Kufstein abgeführt werden. Seine Ehre mußte bis zum Urteil gewahrt bleiben.
Ein eigener Jäger des Landgerichtes Kitzbühel erhält für ein gefangenes schädliches Tier 1 Pfd. Pfennig und Speise und Futter für die Hunde "..auf offener tafern zu Elmaw.." soll Fleisch, Brot und Wein lagern, damit Kranke und Gäste versorgt werden können.

Kriegsjahre - 1809

Ellmau wurde häufig von durchziehenden Truppen heimgesucht. Als 1805 Österreich Tirol an Bayern abtreten mußte, erhielt auch Ellmau eine kleine bayerische Besatzung von vier Infanteristen und zwei Kavalleristen, später eine ganze Kompanie. Die bayerische Herrschaft war unbeliebt, weil sie die Verlegung der weihnachtlichen Mitternachtsmesse auf fünf Uhr morgens und die Minderung der Zahl kirchlicher Feiertage, der Prozessionen und sonstigen kirchlichen Handlungen anordnete. Außerdem waren die Abgaben unter der bayerischen Herrschaft wesentlich höher geworden.
So war es nicht überraschend, daß am 10. April 1809 der Aufstand gegen die bayerische Herrschaft ausbrach. Schon am 14. April waren die Bayern aus dem Land gedrängt und österreichische Soldaten zogen über den Paß Strub, St. Johann in Tirol und das Sölland nach Wörgl. Die Ellmauer Schützen unter Johann Schlechter begaben sich zunächst nach Kufstein und hatten dort gemeinsam mit den Schützen der Gemeinde Söll und einem Bataillon regulären österreichischen Militärs die Blockierung der Feste Kufstein auf der rechten Seite des Inn über. Am 11. Mai eroberten die bayerischen Truppen den Paß Strub und drangen in Tirol ein. Sie kamen unter dem heftigen, gut gezielten Feuer der Tiroler Schützen nur langsam weiter und ließen sich durch diesen hartnäckigen Widerstand zu schrecklichen Grausamkeiten gegenüber der in den Dörfern zurückgebliebenen Bevölkerung hinreißen. Auch richteten sie großen Sachschaden an.
Bei der Einnahme Ellmaus durch die bayerischen Truppen brannte das „Untere Haus zu Schraitling, das Dorf Wimm mit vier Häusern und Stallung“ sowie „2 Häuser beim Untern Kramer“ ab. Glücklicherweise herrschte Windstille, so daß die Brände gelöscht werden konnten, bevor sich das Feuer weiter ausbreitete. Zum Schaden durch das Feuer kamen noch Plünderungen durch bayerische Soldaten in einem Großteil des Dorfes. Am 12. Mai erließ der bayerische General Wrede in Ellmau einen Tagesbefehl an seine Soldaten, in dem er die Ausschreitungen, die sie sich hatten zu Schulden kommen lassen, aufs schärfste verurteilte. Er befahl, geraubtes Gut zurückzugeben und drohte Plünderern mit dem Aufhängen. Nach der siegreichen Bergiselschlacht am 13. August zogen die geschlagenen Bayern wiederum mit einem Teil ihrer Truppen durch das Sölland ab. In der Zeit der Regierung Andreas Hofers in Tirol wurden in Ellmau einige Male Inntaler und Oberländer Schützenkompanien einquartiert, doch war die Belastung daraus nicht sehr groß.
Seit Ende September gewannen Bayern und Franzosen die Oberhand. Am 18. Oktober kamen bayerische Truppen, die neuerlich in Tirol einrückten, durch Ellmau. Ellmau erlebte wieder einmal einen Truppendurchzug und mußte Proviant liefern und Vorspann leisten. Der Vikar war der Meinung, daß viele Ellmauer an Aufstand dachten und „lüstern nach Beute“ waren Während des Krieges gegen Napoleon und seine Verbündeten zeichnete sich der Wirt Johann Schlechter besonders aus. 1809 wählten ihn die Schützen der 2. Kompanie des Söllandes, die vorwiegend aus Ellmauern bestand, auf Grund seiner Leistungen in früheren Kämpfen zum Hauptmann. Im Juli 1809 beteiligte er sich an der Belagerung der Feste Kufstein und im September scheint er an der tirolisch-salzburgischen Grenze gestanden zu sein. Nach Abschluß des Wiener Friedens am 14.10.1809 beteiligte sich Schlechter so wie andere Hauptleute des Tiroler Unterlandes nicht mehr an den weiteren Kämpfen.

Der Erste Weltkrieg (1914-1918)

Die Kriegserklärung an Serbien am 28. Juli 1914 nahmen auch die Ellmauer mit Genugtuung auf. Die Fahrt der ersten 54 Soldaten nach St. Johann wurde von fröhlichen Liedern begleitet, aber mancher verabschiedete sich unter Tränen von seinen Angehörigen. Von hier aus ging es nach Serbien oder Galizien. Die Einberufung der 42- bis 50jährigen Standschützen nach dem Kriegseintritt Italiens im Mai 1915 erhöhte die Knappheit an Arbeitskräften und riß in manche Familien besonders große Lücken. Die Ehefrauen mit den Kindern mußten nun die gesamte anfallende Arbeit allein erledigen. Sie wurden in der Folge von österreichischen Soldaten und Kriegsgefangenen unterstützt. Im Frühjahr und Sommer 1916 kamen neun Soldaten mit 18 Pferden, um sowohl den Bauern bei der Feldarbeit und bei der Ernte zu helfen, als auch für Kaufleute und Bauern Transporte vom Bahnhof nach Ellmau und Schotterfuhren durchzuführen. Zwanzig kriegsgefangene Russen standen den Bauern als Arbeitskräfte zur Verfügung und arbeiteten zu deren Zufriedenheit.
Die Lebensmittelknappheit wuchs mit jedem Kriegsjahr. Auch andere Gebrauchsgegenstände wurden knapp und teuer: Ein Paar Schuhe kostete nun 50 bis 60 K. Neue Kleider konnten sich bald nur noch Wohlhabende leisten. Schuhmangel hielt die Kinder vom Schulbesuch ab, da der Schuster kein Leder für Reparaturen mehr zur Verfügung hatte und höchstens von alten Schuhen noch brauchbare Teile für die Reparatur verwenden konnte. Diese Reparaturen waren überdies sehr teuer.
Nicht nur die Versorgung der Bevölkerung verschlechterte sich im Laufe der Jahre, auch die Ablieferungspflicht der Bauern wurde mit der Zeit genauestens kontrolliert. 1917 wurden, um die vollständige Ablieferung des Getreides sicherzustellen, die Getreideschober auf den Feldern unter behördlicher Aufsicht gezählt. Zu allem Überfluß war 1917 ein schlechtes Erntejahr. Der Schnee blieb sehr lange liegen und nachher trat eine große Trockenheit auf. Am Ersten Weltkrieg nahmen 149 Ellmauer als Soldaten und 14 als Standschützen teil, 34 sind gefallen.

Die Zwischenkriegszeit

Nach dem Krieg zerfiel die Donaumonarchie und deutschsprachige Abgeordnete gründeten 1918 die Republik Deutschösterreich. Im Friedensvertrag mit den Siegermächten mußte Österreich Südtirol an Italien abtreten und viele Millionen Kriegsschulden bezahlen. Nur langsam erholte sich die Wirtschaft. Der Fremdenverkehr brachte Geld ins Land. Als nach einem Putschversuch die NSDAP verboten wurde, verhängte Deutschland die 1000-Marksperre für Reisende nach Österreich. Mitglieder der verbotenen NSDAP arbeiteten auf einen Anschluß an Deutschland hin.
Am 12. März 1938 überschritten deutsche Truppen die Grenze bei Kiefersfelden. Bei der Volksabstimmung über die Vereinigung Österreichs mit dem deutschen Reich stimmten 99 % der wahlberechtigten Ellmauer für die Vereinigung. Österreich wurde zur Ostmark des großdeutschen Reiches.

Kriegerdenkmal

Der Zweite Weltkrieg (1939 -1945)

Im Verlaufe des zweiten Weltkrieges mußten immer mehr Männer zur deutschen Wehrmacht einrücken und kämpften an der Westfront gegen Frankreich und England, an der Ostfront gegen Polen und die Sowjetunion und im Süden gegen die Italiener. Immer mehr Flüchtlinge aus den zerbombtem Städten kamen aufs Land. Zur Versorgung der Bevölkerung wurden Lebenmittelmarken und Bezugscheine ausgegeben. Im übrigen wurde Ellmau vom Kriegsgeschehen erst im April 1945 unmittelbar berührt. Gegen Kriegsende wurde Tirol von der Heeresführung als "Alpenfestung" vorgesehen. Die Vorbereitungen waren jedoch so mangelhaft, daß ein Widerstand sinnlos war. In Söll hatte General Ritter von Hengl, Oberbefehlshaber des Abschnittes Alpen-Nord-Front, Quartier bezogen. Ellmau war noch zur Verteidigung bereit gemacht worden, indem man mehrere Geschütze in Stellung brachte, und zwar eines 30 m hinter dem Metzgerhaus beim Schmiedbauern, eines hinter dem Schlosserbauern, ein weiteres im Postbauerngarten und ein viertes in einem Feld, etwas oberhalb der neuen Langhofervilla, ganz unten im Dorf. Für die einzelnen Geschütze waren allerdings nur etwa 10 Schuß Munition vorhanden, sie brachten den Ort also völlig unnötig in Gefahr. Ein Teil der Bevölkerung flüchtete vor dem erwarteten Kampf mit Vieh und einiger Habe in die höher gelegenen Ortsteile Faistenbichl und Weißachgraben.
Nach einem Gefecht in der Nähe von Söll wurde der Korpsstab Hengls nach Ellmau verlegt. Kontakte mit den Amerikanern verhinderten aber weitere Feindseligkeiten. Von hier aus führte von Hengl mit den Amerikanern Verhandlungen wegen der Kapitulation, die am 6. Mai in Söll vereinbart wurde. Im Zweiten Weltkrieg mußten 185 Männer einrücken, 52 sind gefallen und 13 waren 1949 noch vermißt.