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Kleine Heimatkunde EllmauReligion und Kultur

 

Maria-Heimsuchungs-Kapelle

Seelsorge

Ellmau gehörte kirchlich zur Mutterpfarre Söll. Dort ist vermutlich im 8. Jh. eine Eigenkirche eines Adeligen entstanden und von den Bischöfen von Salzburg seelsorglich betreut worden. Mit der Gründung des Bistums Chiemsee (1217) wurde das Sölland diesem eingegliedert und verblieb bis 1817 dort. Urkundlich wird Ellmau 1214 als Filiale der Pfarrkirche Söll erwähnt.
Diese Filialkirche wurde zunächst von Söll aus durch einen Gesellpriester betreut. Die eigene Seelsorge in Ellmau begann 1463 mit der Stiftung einer Frühmesse. Der "Frühmesser" hatte noch keinerlei selbständige Rechte. Er mußte täglich eine Messe lesen. An Sonn- und Feiertagen hatte er die Frühmesse zu halten, während der Gesellpriester aus Söll den Hauptgottesdienst hielt. Er erhielt Unterkunft im Pfarrhaus nahe der Kirche und verschiedene Abgaben aus Kirchenbesitz zum Lebensunterhalt.
1558 wurde der Frühmesser auch Gesellpriester und erhielt so die Rechte eines Vikars. Er konnte nun eigenständig wirken, unterstand jedoch immer noch dem Pfarrherrn von Söll. Aus Unzufriedenheit mit der verweltlichten Kirche dieser Zeit, breitete sich auch in Ellmau die Sekte der Wiedertäufer aus. Sie wurden so genannt, weil sie die Kindertaufe ablehnten und sich als Erwachsene daher noch einmal taufen ließen. Wiedertäufer anerkannten keine weltliche Obrigkeit und lebten in Gütergemeinschaft. Sie wurden von der Regierung verfolgt und mußten außer Landes fliehen. Auch das verbotene Luthertum fand in Ellmau Anhänger. So fand man bei einer Visitation bei Ellmauer Wirten und Knappen verbotene lutherische Schriften. Der Wirt Georg Fleisch hielt an Sonntagen in seinem Hause protestantische Andachten , die vor allem von Knappen besucht wurden. Diese Knappen wurden vom Bergrichter des Landes verwiesen.
Nur langsam verbesserte sich die katholische Seelsorge. Die Marienverehrung nahm zu, wie die Wallfahrt zum Marien Gnadenort Tuntenhausen oder Maria Stein und wie der Bau der Maria Heimsuchungskapelle zeigen. Auch der Neubau unseres Gotteshauses fällt in diese Zeit der religiösen Erneuerung. Von 1726 bis 1758 wirkte Simon Stainer als Vikar in Ellmau. Er ist der Erbauer und Wohltäter der Kirche in Ellmau, die er auch zur Universalerbin einsetzte. Am 1. Juli 1891 wurde Ellmau zu einer Pfarrei erklärt. Seit dieser Zeit wirkten als Pfarrer in Ellmau:
1891 - 1924 Nikolaus Franberger, geb. in Aurach
1924 - 1934 Franz Xaver Meyer, geb. in Grub, Bayern
1934 - 1961 Josef Koller, geb. in Breitenbach
1961 - 1985 Jakob Ferner, geb. in Tamsweg
1985 - 2003 Ernst Grießner, geb. in Saalfelden
2003 - Mag. Michael Pritz, geb. in Lungau

Damals wurden wesentlich mehr Feiertage gehalten als heute. Am Heiligen Abend wurden von halb Elf bis halb zwölf Uhr nachts die Glocken geläutet und um 12 Uhr die Mette gehalten. In der Karwoche wurde das Hl. Grab aufgestellt und am Karsamstag um 17 Uhr feierte man die Auferstehung. Am Christi Himmelfahrtstag zog man eine Heilandstatue begleitet von Engeln in das Kirchengewölbe auf. Am Michaelstag, dem Tag des Kirchenpatrons, ging eine Bittprozession durch das untere Dorf. Es fanden auch viele Bittgänge nach Söll oder nach Going statt.

Kirchenchor

Spärliche Quellen erzählen uns von der Entwicklung eines Kirchenchores in Ellmau. Bevor man in unserer Kirche eine Orgel zur Verfügung hatte, leiteten den Gesang sogenannte Vorsinger. Bereits in der Kirchenrechnung von 1599 erhielt dieser 1 fl. 12x, 1649 werden den Kirchensingern gewisse Anweisungen gemacht, damit ein Geistlicher „nit mer molestiert werde“. 1872 bestellte die Gemeinde von dem bekannten Orgelbauer Matthias Mauracher eine Orgel mit 16 Registern, nachdem 10 Register der alten Orgel "stumm geworden waren". Als Ende des 19. Jahrhunderts die Mesnerstelle von der Organistenstelle getrennt wurde, bezahlte man dem Organisten 60 fl. Gehalt, zuzüglich der Bezüge aus den Gottesdiensten für Stiftungen, Begräbnissen u.ä., so daß sein jährliches Einkommen 100 bis 120 fl. betrug.

Kirche St. Michael

Der Patron der Ellmauer Kirche ist der hl. Michael, der "Seelenführer". Dies berechtigt uns zur Annahme, daß ursprünglich in Ellmau ein Friedhof mit einer Friedhofskapelle errichtet worden war. 1436 berichtet eine Urkunde von einer gotischen Kirche mit einem Hochaltar und zwei Seitenaltären. Diese Kirche war viel kleiner, mit einer Vorhalle versehen und von Osten nach Westen gebaut. Als die Kirche im 18. Jahrhundert für die stark angewachsene Bevölkerung zu klein geworden war, entschloß man sich 1740 unter Vikar Simon Stainer zu einem Neubau. Der Schwazer Baumeister Jakob Singer wurde mit dem Bau beauftragt. Am 21. August 1746 wurde die Kirche durch Bischof Karl von Chiemsee eingeweiht.

Die Innenausstattung konnte erst im Laufe der Zeit erneuert werden. 1765 fertigte Josef Martin Lengauer, Bildhauer in Kitzbühel, den neuen Hochaltar, den der Maler Sebastian Wäginger aus Kufstein farbig faßte. Das Altarbild malte der Innsbrucker Maler Josef Liebherr. Es zeigt den Erzengel Michael als Kriegsherrn des Himmels, zu seinen Füßen den gestürzten Luzifer und seinen Anhang. Die zwei Seitenaltäre fertigte der Kufsteiner Bildhauer Franz Stitz (Stütz) und Sebastian Wäginger führte die Fassung aus. 1874 knickte ein Sturm den Kirchturm. Er wurde, gekürzt auf 53 m, wiedererrichtet. Die Glocken mußten in den beiden Weltkriegen für den Kanonenguß abgenommen werden, wurden aber nach den Kriegen wieder neu beschaffen. Die große Glocke trägt die Innschrift:
Die Lebenden rufe ich.
Die Toten beklage ich.
Die Wetter verjage ich.

Im Lauf der Jahre wurden mehrmals Erneuerungen und Reparaturen vorgenommen. Die letzte Außenrenovierung veranlaßte 1982 Pfarrer GR Jakob Ferner. Fundamente wurden entfeuchtet und der Verputz an Kirchen- und Turmmauern erneuert. 1987 wurde unter Pfarrer GR Ernst Grießner das Innere der Kirche von Restaurator Schwenninger mit viel Kunstverständnis renoviert. Die Fa. Holzer schuf einen marmornen Volksaltar und einen neuen Kircheneingang. Orgelbauer Johann Pircher restaurierte die alte Mauracher Orgel und intonierte sie neu. 1995 wurde die Westseite des Kirchendaches mit Schindln neu gedeckt und der Turm erhielt einen neuen Anstrich.

Kapellen

Die St.-Anna-Kapelle wird schon Anfang des 16. Jahrhunderts urkundlich erwähnt. In ihr wurden Gottesdienste gehalten und daneben diente sie auch als Karner. Beim Neubau der Kirche wurde 1743 auch die Annakapelle neu errichtet und mit einem Barockaltar ausgestattet. Das Altarbild von Christoph Anton Mayr aus Schwaz (1747) stellt Maria und ihre Mutter Anna mit dem Jesuskind dar. Die Altarnebenfiguren stellen die heiligen Josef und Joachim dar. Am Triumphbogen stehen ein Schutzengel und der Gute Hirte, barocke Schnitzfiguren um 1750.
Das Fresko der Seelenkapelle an der Westseite der Friedhofmauer soll uns das "Jüngste Gericht" veranschaulichen. In einem durch ein Eisengitter verschlossenen Gewölbe werden Totenschädel aufbewahrt. Nach altem Brauch mit Namen, Sterbetag und einem grünen Kranz bemalt, halten sie das Andenken an die Verewigten pietätvoll lebendig. Die Maria Heimsuchungskapelle wurde 1719 von Postmeister Johann Kaisermann errichtet und 1726 von Bischof Karl Josef von Chiemsee geweiht. Die Kapelle enthält einen Barockaltar mit dem Altarblatt "Maria Heimsuchung", das 1831 von Alois Wagner aus Hall gemalt wurde, daneben stehen die Statuen der Viehpatrone Leonhard und Silvester. Auf dem Altar befindet sich ein schönes Marienbildnis, eine Kopie der Maria-Hilf-Madonna von Lucas Cranach in einem reich geschnitzten Rahmen. Das Gewölbe zieren Bilder aus dem freudenreichen Rosenkranz.
Nordwestlich des Dorfes an der Bundesstraße steht eine kleine Kapelle, die ?Pestkapelle?. Ein Holztafelgemälde zeigt die Heilige Dreifaltigkeit und Maria, deren Mantel zwei Engel schützend über das Dörfchen Ellmau halten. Eine kaum leserliche Inschrift berichtet: "Diese Kapelle errichteten in Dankbarkeit die Verschonten der Pest 1750".

Schule

Ein Schulmeister wird in Ellmau bereits 1378 in einer Urkunde erwähnt. Erzherzog Ferdinand ordnete 1586 an, daß neben den lateinischen Schulen auch deutsche zu errichten sind. In den deutschen Schulen (Volksschulen) sollte in Religion, im Lesen, Schreiben und Gesang Unterricht erteilt werden. Der Lehrer, meistens war dies der Mesner, sollte sich „der Fäuste, Haarraufens oder Kopfschlagens“ enthalten. Die Schulaufsicht war dem Ortspfarrer und zwei Scholarchen übertragen. In einem Pfarrbericht heißt es, „.. der Mesner Juffinger hält auch Schule, aber bloß im Winter, er ist seit 7 Jahren hier“.
1774 erläßt Kaiserin Maria Theresia eine ALLGEMEINE SCHULORDNUNG, in der verlangt wird, daß auf dem Lande wenigstens an allen Kirchorten eine Schule errichtet wird, in der Religion, Lesen, Schreiben und Rechnen zu lehren ist. Kinder vom 6. bis 8. Lebensjahr werden verpflichtet die Sommerschule zu besuchen und die Kinder vom 9. bis 13. Lebensjahre müssen die Winterschule besuchen. Die älteren Jugendlichen mußten bis zum achtzehnten Lebensjahr eine Wiederholungsschule am Sonntag besuchen, in der das in den sechs Klassen Gelernte aufgefrischt wurde. Das Schulzimmer war im Mesnerhaus untergebracht, da der Lehrer auch meistens Mesnerdienste zu versehen hatte. Der Schulbesuch war jedoch mangelhaft. Viele Eltern klagten, sie könnten die Kinder aus Armut nicht in die Schule gehen lassen oder die Kinder müßten Vieh hüten und teilweise auch versorgen. Die Vikare haben nun den Unterricht gefördert. Besonders Vikar Moser unterstützte einen Gehilfen des Lehrers und spendete Schulbücher. 1802 wird die Schule in Ellmau als Musterschule erwähnt.
1837 ließ Vikar Baldauf ein neues Mesnerhaus mit einem Schulzimmer für 90 Kinder errichten.. Beim Dorfbrand 1854 wurde auch das Mesnerhaus eingeäschert. Die Gemeinde baute das Haus wieder auf und stattete das Klassenzimmer mit verschiedenen Lehrmitteln aus. 1887 kam Ludwig Wex als Lehrer an die Volksschule Ellmau.

Nach mehrfacher Aufforderung der Schulbehörde entschloß sich die Gemeinde 1896, eine zweite Klasse zu errichten. Als Lehrerin wurde Clementine Höllriegel aus Innsbruck angestellt. Vorübergehend wurde die Wohnstube beim Metzgerbauern als Klasse angemietet, bis das sogenannten Singerhäusl als 2. Schulhaus von der Gemeinde erworben wurde. Das Schulgeld betrug für jedes Kind 1 fl. und ein Viertel Klafter Brennholz.
1901 kaufte die Gemeinde das Sternwirtshaus als Schulhaus. Die Ellmauer Wirte zahlten für die Löschung der auf diesem Haus ruhenden Wirtsgerechtsame 4200 K, der Pfarrer als Ablösung für das "Singerhäusl", das bisher als II. Schulhaus gedient hatte, 5100 K, so daß die Gemeinde das neue Schulhaus recht wohlfeil erwarb. Im ersten Weltkrieg waren die Schüler des 5. bis 8. Schuljahres vom Besuch der Sommerschule befreit, da sie bei der Erntearbeit mithelfen mußten. Im Herbst 1916 wurde die Lehrerin Frl. Rosina aushilfsweise nach Scheffau versetzt, so daß Schulleiter Wex nun alle 150 Schüler in Ellmau im Halbtagsunterricht betreuen mußte. In den folgenden Jahrzehnten mußte die Anzahl der Klassen erweitert werden.Im Zweiten Weltkrieg litt der Unterricht durch die Abwesenheit vieler Kinder, die oft mehrere Wochen von der Bannführung zu HJ-Lagern einberufen worden sind und infolge vieler Fliegeralarme. In dieser Zeit wurde eine landwirtschaftliche Berufsschule errichtet. Nach dem Kriege erklärte sich die Volksschule zur Mitarbeit im Jugendrotkreuz Tirol bereit. Kinder der Volksschule wurden mit Geschenkpackungen des amerikanischen Jugendrotkreuzes beschenkt. Neuerungen im Schulwesen brachte die Bestellung von Handarbeitslehrerinnen, Schülerbeschreibungsbogen wurden eingeführt und ein neues Schulpflichtgesetz verlängerte die Schulpflicht auf neun Jahre. 1969 verordnete die Landesregierung die Einbeziehung des Gemeindegebietes von Ellmau in den Hauptschulpflichsprengel der Hauptschule St. Johann.
1969 baute die Gemeinde nach den Plänen von Architekt Gschösser in der Nähe der Kirche eine moderne Schule mit neun Klassenzimmern, Gymnastikraum, Bastelraum, Schulküche, Musikprobelokal und Atomschutzkeller. Rund um das Atrium, das als Pausenraum benützt wird, sind in zwei Geschossen die Klassenräume angeordnet. Die Fußböden sind mit Spannteppichen ausgelegt, so daß der Lärm wesentlich gedämpft wird. Schulfunk und Schulfernsehen können empfangen werden. Da immer mehr Schüler die Hauptschule besuchten, wurde 1973 der Oberstufenunterricht eingestellt. Die Bezirkshauptmannschaft Kufstein ordnete an, daß die verbliebenen Schüler aus Ellmau, Söll und Scheffau gemeinsam die Abschlußklasse in Scheffau besuchen mußten. Hauptschule und Polytechnisches Jahr absolvieren die Ellmauer Schüler in St. Johann, 1978 wurde entsprechend dem Schulunterrichtsgesetz ein Elternverein an der Volksschule Ellmau gegründet. Postmeister Fritz Palma wurde zum Obmann gewählt. In sportlicher Hinsicht legt die Schule besonderen Wert auf den Schisport. Jährlich werden Schülerschimeisterschaften durchgeführt, und die Fußballer messen sich bei jährlichen Wettkämpfen mit den Nachbarschulen Scheffau und Going. Ein Schülerchor pflegt heimisches Liedgut und nimmt bei Talschaftssingen teil. Mit Beginn des Schuljahrs 1980/81 wurde die Fünftagewoche an der Schule eingeführt.

Die Schulleiter der Volksschule Ellmau

1887 - 1925 Ludwig Wex, seit 1895 Oberlehrer
1925 - 1927 Franz Wurzer
1927 - 1938 Hugo Brunner
1938 - 1951 Hans Salzmann (1943 - 1947 beim Militär)
1943 - 1945 Anna Weiß (Vertretung von Hans Salzmann)
1951 - 1958 Josef Reinkenhof
1958 - 1971 Alois Mantl
1971 - 1990 Jakob Schellhorn
1990 - 1997 Peter Moser
1997 - 2009 Walburga Stöckl
2009 - Hermann Ortner

Brauchtum

An Bräuchen ist aus Ellmau das Anklöpfeln in der Adventzeit, das Singen am Dreikönigstag, das Maibaumaufsetzen und die Alperer-Abfahrt überliefert. Nach einer Vikariatsbeschreibung waren die Anklöpfler Kinder und arme Leute, die an den Donnerstagen im Advent zur Erinnerung an die Herbergssuche vor den Haustüren beteten oder sangen und dafür Almosen erhielten. Das Sternsingen in der Weihnachtszeit wird in neuer Zeit hauptsächlich von den Ministranten als Sammlung für die Mission durchgeführt. Der Brauch des Maibaumaufstellens wird heute meistens von der Landjugend ausgeführt.
Dem Brauch der Alperer Abfahrt lag die Sage zugrunde, daß sich nach dem Almabtrieb in den verlassenen Almhütten der Alperer, das war der Satan, einquartierte, der Anfang November mit seinen Gefährten wieder zu Tale fuhr. Er machte dabei ein heftiges Getöse, das Wilde Geschrei genannt. Die männlichen Dorfbewohner, vor allem junge Burschen, versammelten sich zur Alperer-Abfahrt am Vorabend von Martini oder auch an Martini selbst mit Kuhglocken und großen Peitschen und zogen unter Läuten, Schnalzen, Schreien und Lärmen, als wenn eine Viehherde käme, in ein Wirtshaus in der Gemeinde. Es kam dabei auch zu Raufereien. Heute gibt es diesen Brauch nicht mehr. Dafür wird noch immer auf eine Almabfahrt, bei der das Almvieh geschmückt wird, Wert gelegt.
Am Vorabend der Hochzeit wurde im Haus der Braut oder auch im Wirtshaus der Brauttanz gehalten. Die Trauung fand gewöhnlich um zehn Uhr vormittags statt mit Hochamt und eventuell auch Beimesse. Der Priester holte die Brautleute zur Trauung vom Wirtshaus ab und geleitete sie nach der Zeremonie wieder dorthin zurück. Am Ende der Feier wurde der Johannissegen erteilt. Der Priester reichte den Brautleuten, den Trauzeugen und der Brautmutter, dem Hochzeitslader und den übrigen Hochzeitsgästen diesen Segen in Gestalt von geweihtem Wein. Einen Ring bekam nur die Braut.

Literatur - Sagen

Die Entstehung des Kaisergebirges

Die Entstehung des Kaisergebirges führt die Sage auf ein gottloses Geschlecht von Sennern zurück, die einst auf den fruchtbaren Almen ein üppiges Leben geführt, Milch, Butter und Käse vergeudet und allerlei Frevel getrieben haben. Eines Nachts brach ein schreckliches Unwetter los, das ganze prächtige Almgebiet samt seinen Sennern wurde von einem Wolkenbruch hinweggeschwemmt, und an Stelle der blühenden Wiesen und Weiden starrt nun eine öde, wenn auch großartig geformte Felsenwildnis zum Himmel.

Der Name des Kaisergebirges

Von Süden sieht man zwischen Treffauer und Ellmauer Halt am schönsten den "Kaiserkopf", das Wahrzeichen, dem der ganze Gebirgsstock seinen Namen verdankt. Der Sage nach soll Kaiser Karl der Große im Tode droben in der Felseneinsamkeit ruhen, die Krone - die schief geneigte Ellmauer Halt - sinkt ihm vom Haupt, die Hände hält er gefaltet auf der Brust, der Hermelinmantel fließt ihm in blendenden Schneeflächen von den Schultern, und die drei Riesen des Scheffauers halten Wache am Lager des Herrschers. Erst wenn das Brünnlein am Hohen Grutten nicht mehr fließt, dann erwacht Karl der Große, ergreift mit seinen Paladinen das Schwert und wirft die gottlosen Feinde siegreich nieder.

Das wilde Schloß im Kaisergebirge

Von Ellmau aus führt ein schlechter Fahrweg, später Fußweg, über die Wochenbrunner Alpe zur Gaudeamushütte. Etwa 5 Minuten weiter am Weg zum Ellmauer Tor sieht man ein ungeheueres Felsenmassiv mit Türmen, Spitzen, Höhlen und Balkonen. Das ganze Gebilde sieht schloßartig aus und wird allgemein das "wilde Schloß" genannt. Der Sage nach war dort eine Prinzessin verbannt. Jäger, die dort Gemsen jagten, hörten oft Winseln, und wenn sie dann nicht sofort von der Jagd abließen, widerfuhr ihnen ein Unglück. Ein Wilderer, der einstens im wilden Schloß den Gemsen nachging, hörte lautes Winseln und sah gleichzeitig auf einer Kuppe eine Gemse mit weißem Kopf. Keine Gefahr fürchtend, schoß er sofort auf dieses seltsame Tier. Der Schuß brachte die Gemse zu Fall und an ihrer Stelle stand eine weißgekleidete Dame. Gleichzeitig begann es im Schloß fürchterlich zu krachen, so daß sich der Schütze vor Schreck nicht von der Stelle bewegen konnte. Ein großes Tor öffnete sich. Die weiße Frau schwebte zum Jäger hinunter und führte ihn in die prachtvollen Räume des Schlosses und zeigte ihm eine mit schwerem Gold gefüllte Truhe. Zum Dank für die Erlösung konnte der Schütze vom Gold nehmen, was er tragen konnte. Die Dame geleitete ihn dann bis zum Ausgang, wo sie verschwand und das Tor sich knarrend schloß. Bergsteiger besuchen heute noch das sehr leicht zugängliche "Wilde Schloß".

Die Rache der weißen Gams

Auf dem Treffauer Kaiser jagte einst ein verwegener Bursche, der Wilderer-Hans, der nicht nach echter Jägerweise, sondern mit aller Tücke dem Wild nachstellte. Wäre es nach dem Hans gegangen, so gäbe es heute keine Gemse mehr im Wilden Kaiser; er schonte auch die Muttertiere nicht und war nur bestrebt, von jedem Pirschgang möglichst reiche Beute heimzubringen. Eines Tages stellte der Wilderer-Hans auf dem Treffauer einem besonders schönen Tier nach. Es war die weiße Gams, die den Wilderer bis auf den Grat lockte, dann auf ihren Feind zusprang und ihn mit einem kräftigen Krickelstoß in die Tiefe schleuderte. Mit einem Büschel weißen Gamsbart in der erstarrten Hand fand man den Unglücklichen als zerschmetterte Leiche am Fuß des Treffauer. Seither geistert der Wilderer-Hans und tückt und neckt die Bergsteiger des Treffauer, indem er ihnen schwere Nebel oder wilde Wetter schickt, die schon manchem bergbegeisterten Kletterer das Leben gekostet haben.

Bruno Sander *1884 +1979

Bruno Sander, ein gebürtiger Innsbrucker, studierte an der Universität Innsbruck Naturwissenschaften, vornehmlich Mineralogie und Geologie. Nach dem ersten Weltkrieg erwarb er mit seiner Schwester das Wegmachergütl in Ellmau als Feriendomizil. 1922 erfolgte seine Ernennung zum ordentlichen Universitätsprofessor für Mineralogie und Petrographie und zum Vorstand des Innsbrucker Mineralogisch-Petrographischen Institutes. Er war mit Elisabeth Holzknecht verheiratet und hatte eine Tochter. Von seinen weit über hundert Veröffentlichungen stellt das zweibändige Werk Sanders "Einführung in die Gefügekunde der geologischen Körper" die Krönung des Sander’schen Lebenswerkes dar und brachte ihm zahlreiche Ehrungen und Würdigungen ein. Sander führte ein zweites, paralleles Leben als Dichter Anton Santer, der dem Wissenschaftler wahrscheinlich an Bedeutung nicht nachsteht, aber mehr im Verborgenen wirkte. Anton Santers Gedichte sind nicht leicht zugänglich, sie erfordern Mitdenken und Anstrengung vom Leser. Mit Ludwig von Ficker verband ihn eine persönliche Freundschaft.

Es strömt der Bergbach, seine Wellen springen
an jedem Block entgegen seinem Lauf,
Vergeblich ist es, seinen Lauf zu zwingen.
Es schäumt der Bach, doch fließt er nicht talauf.
Anton Santer

Hilda Povinelli *1889 +1966

Hilda Povinellis Vorfahren stammen aus Innsbruck. Seit dem 2. Weltkrieg lebte sie in Ellmau. Sie schrieb unterhaltsame Volksromane, in denen Menschen oft wie von Dämonen

umwittert erscheinen, bäuerlicher Aberglaube das Geschehen umgibt, z.B. "Die Frau im Stein", oder "Die grüne Salige".

Arthur Heinz Lehmann *1909 +1956

Arthur Heinz Lehmann, arbeitete mit seiner Frau Steffi Lehmann seit 1945 in Ellmau, im Haus St.Georg, als Schriftsteller. Lehmann schildert in seinen Romanen die Verhältnisse zwischen dem Menschen und seinem treuesten Freund unter den Tieren, dem Pferd. Mit Sachkenntnis und Humor spricht er den "Pferdenarren" aus dem Herzen. Sein bekanntestes Werk ist "Hengst Maestoso Austria". Der Erfolgsroman wurde 1956 verfilmt. Auf der Fahrt zur Uraufführung des Filmes verunglückte Arthur Heinz Lehmann mit dem Auto tödlich.

Kulturelle Vereine

Musikkapelle

Auf Grund von Protokollen und Aufzeichnungen im Kassabuch können wir mit Bestimmtheit sagen, daß um 1880 eine Musikkapelle in Ellmau bestanden hat. Die Kapelle rückte bei kirchlichen und weltlichen Festen wie Hochzeiten, Prozessionen und Begräbnissen aus. 1899 erhielt die Kapelle eine einheitliche Uniform, die 1912 erneuert wurde. Vor dem 1. Weltkrieg hatte der Verein 18 Musiker und ein Reinvermögen von 937 Kronen. In der Zwischenkriegszeit gründete man zur finanziellen Unterstützung der Kapelle einen Musikverein, der aber nach einigen Jahren wieder aufgelöst wurde. Die Gemeinde finanzierte 1936 eine gemeinsame Tracht mit dem Trachtenverein. 1959 erhielt die Musikkapelle neue Instrumente in Normalstimmung. Die alten Instrumente waren in hoher Wienerstimmung. Die Kosten wurden zu einem großen Teil von der Bevölkerung durch Spenden aufgebracht. Die Anforderungen an die Musiker wurden immer höher, die Anzahl der Mitglieder stieg auf über 50. 1973 trat die Kapelle dem Unterinntaler Musikbund bei. Für die Platzkonzerte wurde ein Musikpavillon errichtet und im neuen Schulhaus erhielt die Kapelle ein modernes Probelokal. Seit 1991 können Musiker in der Musikschule Söllandl ausgebildet werden.

Kapellmeister

Jakob Gatt 1880 - 1896
Alois Blaikner 1896 - 1944
Hans Told 1944 - 1947
Georg Spielthenner 1947 - 1952
Josef Unterrainer 1952 - 1953
Jakob Schellhorn 1953 - 1967
Adi Erb 1967 - 1974
Josef Gintsberger 1974 - 1988
Michael Sojer 1988 - 1990
Franz Unterrainer 1990 - 1993
Alexander Freysinger 1993 - heute

Obmänner der Musikkapelle Ellmau

Johann Salvenmoser, Oberbiedring
Michael Sojer, Oberhansen
Josef Resch, Marcherbauer
Lambert Döttlinger, Dorf 77
Josef Haselsberger, Oberhausbach
Franz Hochfilzer, Dorf 75
Michael Sojer, Danzerbauer
Gottfried Palma, Postmeister
Herbert Raß, Hasenbergbauer
Klaus Horgacher, Kapellenweg 7
Anton Bindhammer, Bocking 13, Söll
Robert Aufinger, Auwald 35, Ellmau

Trachtenverein Ellmau

Trachtenverein

1936 erhielten die Musikkapelle und der Trachtenverein eine einheitliche Tracht: Blaue Lodenjanker, seidene Westen, schwarze Lederbundhosen, weiße Trachtenstrümpfe und schwarze Filzhüte mit schwarzer Quaste. Der Tambour erhielt eine rot-weiße Schärpe und die Marketenderin eine bestickte Seidenschleife. 1951 wurde der Verein unter dem Namen "Trachtenverein Ellmau" bei der Tiroler Landesregierung angemeldet. 1976 und 1993 wurde die Tracht erneuert.

Obmänner und Kommandanten des Trachtenvereines

Peter Feiersinger 1950 - 1963
Thomas Niedermühlbichler 1963 - 1964
Joachim Zscherneck 1964 - 1966
Ulrich Landmann 1966 - 1968
Michael Hautz 1969 - 1972
Heinrich Gruber 1972 - 1978
Johann Oberhauser 1978 - 2004
Johann Treichl 2004 - 2010
Johann Oberhauser 2010 -

Volksbühne Ellmau

Schon im Jahre 1927 wurde unter der Leitung des damaligen Oberlehrers Hugo Brunner mit ein paar Theaterbegeisterten Idealisten die Theatergesellschaft Ellmau gegründet. Gespielt wurde im ehemaligen Kaisermann-Saal. Bevorzugt wurden die damals sehr beliebten Wildererstücke wie "Maria Schnee", "s´Preistüchl", "Der verbotene Weg", "Der Bergschreck", "Geigenmacher von Mittenwald", "Wildschütz Jenewein", "Paragraphenschuster" und viele andere mehr. Leider löste sich zu Beginn des Zweiten Weltkrieges die Spielgemeinschaft auf und kam auch nach Ende des Krieges nicht mehr zustande. Im November 1974 gründeten Hans Stöckl, Hermann Folie und Albert Bichler unter der Anleitung von Sepp Geisler, Obmann der Volksbühnen des Bezirkes Kitzbühel, die Volksbühne Ellmau.
Seit ihrem Bestehen hat es sich die Gruppe zur Aufgabe gemacht, ihrem immer größer werdenden Publikumskreis ein paar vergnügliche und erbauliche Stunden zu bereiten. Seit Jänner 1975 ist die Volksbühne Ellmau Mitglied des Landesverbandes Tiroler Volksbühnen.

Heimatmuseum Ellmau

Heimatmuseum Ellmau

Dieser gemeinnützige Verein hat sich zur Aufgabe gemacht, "die Wurzeln örtlicher Kultur aufzuzeigen, Kulturgüter zu erhalten und sie der Jugend und allen Interessierten zugänglich zu machen. Im Rahmen der geistigen Dorferneuerung soll auf die Entstehung unserer Kulturlandschaft verstärkt hingewiesen werden, damit wir und unsere Gäste unsere Heimat mehr schätzen und uns mit unserer Heimat verbunden fühlen".
Der Erwerb des Wegmacherhauses durch die Gemeinde, die dem Verein das Gebäude pachtweise überlassen hat, sichert den Erhalt eines interessanten Objektes und ermöglicht die Errichtung eines Museums für kleinbäuerliche und gewerbliche Wirtschaft.

Sportliche Vereine

In alter Zeit wurde das Kräftemessen beim "Ranggeln" besonders gepflegt. Bei diesem bäuerlichen Kraftsport wird der "Hagmoar" ermittelt. Die Kämpfer sind barfuß, mit Hemd und Hose aus grobem Leinen und einem Gürtel bekleidet. Bekannte Ranggler waren die Gebrüder Hautz und Sebastian Gurtner.

Nach dem ersten Weltkrieg wurde auch in Ellmau der Schilauf langsam bekannt. Der Wagner Johann Unterrainer verfertigte bereits Bretter, die durch verleimte Schichten eine Spannung erhielten. Um die Dreißigerjahre gründete man einen Schiclub und veranstaltete schon einen Alpinen Abfahrtslauf vom Zinsberg. Die Gemeinde spendete einen Ehrenpreis um 60 S. Neben den jährlichen Clubmeisterschaften wurde der Söllandler Talschitag zu einer traditionellen Schiveranstaltung. Der Höhepunkt der Veranstaltungen war sicher die Österreichische Schimeisterschaft 1995 Besondere Ehre brachte dem Club Christine Winkler, die bei der Versehrten-Olypiade in Innsbruck 1984 dreimal Gold und einmal Silber gewann.

In den 70er Jahren gründeten sportbegeisterte Fußballer den Sportclub Ellmau. Die Gemeinde ließ im Auer Einfang einen Fußballplatz errichteten. Als 1972 der Verein als Sportclub Ellmau, Sektion Fußball, dem Tiroler Fußballverband beitrat, unterstützte die Gemeinde den Bau der notwendigen Umkleidekabinen und erwarb 1986 den bisher gepachteten Fußballplatz im Ausmaß von 11.858 qm . Der Verein setzt sich besonders für die Betreuung von jungen Fußballern ein.

Der Freizeitclub widmet sich hauptsächlich dem Fußballspiel in der Freizeit. Durch Veranstaltung von „Gästefußball“ leistet der Club auch einen Beitrag zur Gästeanimation.

Auto- und Motorrad Skijöring, veranstaltet von Otto Fieg auf den Jägerhoffeldern, erfreute viele Jahre die Motorsportfreunde, bis die Veranstaltung aus Umweltschutzgründen eingestellt werden mußte.

Der Langlaufverein "Wilder Kaiser" führte viele Jahre den Habergeißlauf mit der Vereinsmeisterschaft durch.

Auf Ansuchen des neugegründeten Tennisclubs Ellmau errichteten Gemeinde und Sportcenter Ellmau 3 Tennisplätze auf der gemeindeeigenen Grundprarzelle 167/18. Der Tennisclub unter den Obleuten Widauer, Fuchs und Embacher setzt sich ganz besonders für die Jugendbetreuung ein. In der „Bären Sportanlage“ und im „KaiserBad“ stehen Tennisplätze für den Tennissport zur Verfügung.

Zur Tradition geworden sind seit 1975 die Hartkaiser-Pferderennen des Trabrenn- und Zuchtvereines unter dem Präsidenten Josef Sojer. Neben Trab- und Galopprennen werden den Zuschauern auch verschiedene Winterarbeiten mit Pferden vorgestellt.

Die Familie Gintsberger baute 1989 im Bereich ihres Mühlberghofes einen Neun-Loch-Golfplatz. Die neun Fairways haben Längen von 95 bis 170 Metern. Für das Training stehen neben der Driving Range ein Pitching Area und ein Putting Green zur Verfügung. Im gleichen Jahr wurde als Golfclub der Kaisergolf Ellmau gegründet und Georg Winkler zum Präsidenten gewählt. Bei der festlichen Einweihung befand sich unter den Ehrengästen aus Sport und Wirtschaft auch der Präsident des GC Kitzbühel, Toni Sailer. Bei der ersten Clubmeisterschaft siegten Manuela Auer und Otto Langhofer.