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Kleine Heimatkunde EllmauLandschaft

 

Wilder Kaiser

Ellmau liegt im Sölland, einem Ost-West Längstal, das im Norden vom Kaisergebirge und im Süden von den Ausläufern der Kitzbüheler Alpen begrenzt ist. Da dieses Tal an der Grenze zwischen den Kalk- und Schieferalpen verläuft, ist es nicht nur landschaftlich abwechslungsreich, sondern auch geologisch bemerkenswert. Ellmau liegt auf dem Sattel dieses Tales und bildet auch eine Wasserscheide. Einerseits wird das Tal von der Weißache entwässert, die in der Nähe des Zinsberges im Weißachergraben entspringt und das Wasser in Endach bei Kufstein in den Inn führt, und andererseits durch den Hausbach, der das Wasser in die Reither Ache und weiter in den Chiemsee führt.

Ellmau von SüdostenEllmau von Südwesten

Entstehung der Bergwelt

Weitaus älter als das majestätische Kaisergebirge sind die südlichen Schieferberge. Diese Gesteine gehören der Grauwackenzone an. Vor 500 Millionen Jahren im Erdaltertum war das Gebiet, in dem sich heute die Alpen befinden, vom Meer bedeckt. Am Grunde dieses Meeres lagerte sich Schicht um Schicht eines tonig-sandigen Schlammpaketes ab. Diese Ablagerungen verfestigten sich zu Schiefergesteinen ("Wildschönauer Schiefer"). In diese mächtigen Schichten sind vulkanische Gesteine eingefügt. Im Laufe der Jahre begann sich im Erdaltertum der damalige Meeresboden zu heben. Es entstand eine Festlandplatte. Bedeutung erlangte die Grauwackenzone als Verbreitungsgebiet von Erzen. Und zwar wurden in früheren Jahrhunderten Kupferkies und Fahlerz abgebaut.
Den Schieferbergen gegenüber erhebt sich im Norden das Kaisergebirge. Es gehört zu den Nordtiroler Kalkalpen. Als Verbindung zwischen Kalkalpen und Schieferbergen finden wir auf dem Talesgrund und am Südrand des Kaisergebirges ein auffallend rotes Gestein.
Es sind Sandsteine und Tonschiefer. Diese Gesteine bilden die Basis der Kalkalpen. Das Gesteinsmaterial stammt von der Abtragung eines alten Gebirges im ausgehenden Erdaltertum. Auf dem Weg nach Wochenbrunn kann man schöne Aufschlüsse dieser Gesteinsschichten beobachten. Zu Beginn des Erdmittelalters reichte das alte Mittelmeer (Tethys) bis an den Rand unseres Gebietes. In einer weiten seichten Lagune wurden Kalk-Gesteine (Wettersteinkalk und Dolomitkalkgestein), Tonschiefer und Mergel abgelagert. Gegen Ende des Erdmittelalters begann der Aufbau der Alpen und dauerte 90 Millionen Jahre. In dieser Zeit wurden durch Druck von Süden die Schichtpakete des Erdaltertums und des Erdmittelalters in Decken und Schollen zerlegt und übereinandergeschoben. Das Kaisergebirge wurde aus einer Deckscholle (Tirolische Decke) nach zwei Seiten "herausgepreßt", so daß es im Süden wie im Norden auf den Gebirgssockel aufgeschoben wurde. Die ursprünglich flach gelagerten Gesteinsschichten wurden am Rande aufgebogen und steilgestellt und bilden nun die Kette des Wilden und des Zahmen Kaisers, dazwischen die Mulde des Kaisertales. Mit dem Ende der alpinen Gebirgsbildung konnten erneut Verwitterung und Abtragung einsetzen.
In der Eiszeit wurde unserer Landschaft entscheidend umgestaltet. Zu Beginn der Erdneuzeit herrschten extreme Klimaschwankungen. Große Gletscher füllten die Alpentäler. Mehrmals flossen Eismassen des Inntalgletschers über den Ellmauer Sattel und verbanden sich mit dem Eisstrom des Großachentales. Die Eismassen reichten bis auf 1900m, wovon Findlinge zeugen. Auch an den Geländeformen läßt sich die Höhe der Eisoberfläche erkennen. Die Berggipfel, die über die Eisdecke ragten, waren der Verwitterung ausgesetzt und erhielten dabei ihre schroffen Formen, während die mit Eis bedeckten Schieferberge abgerundet wurden. Von dem schuttführenden Eisstrom wurde die Talsohle ausgekratzt und vertieft (Trogtal). Schotterterrassen und Moränen verblieben am Ende der Eiszeit. Schmelzwasser schürfte Gräben aus und schwemmte den Schotter ins Tal, wo sie fächerförmige Schuttkegel bildeten. Zu dieser Zeit floß der Hausbach noch ostwärts an Wimm vorbei zur Weißache.

Ellmaus Flächen

Die Flächen der Gemeinde Ellmau

Gesamtfläche 3636 ha Felder 757 ha, Almen 614 ha, Wald 1451 ha, Ödland und Bauland 796 ha

Pflanzenwelt

Die Pflanzen- und Tierwelt

Fleißige Bauernhände haben in Jahrhunderten aus der Wildnis eine abwechslungsreiche und ertragreiche Kulturlandschaft gemacht. Felder, Wiesen und Almen reichen bis auf 1.500 m und die Wälder bis an die Baumgrenze des Wilden Kaisers. In den Feldern und Wiesen der Talebene finden wir in Pflanzengesellschaften eine Vielzahl von Gräsern und Kräutern, überwiegend Hahnenfuß und Löwenzahn. In höheren Lagen wachsen geschützte Pflanzen wie Enzian, Brunellen, Seidelbast und Frauenschuh. Das Almgebiet des Hartkaisers ist bekannt als großes Almrosengebiet und mit Geduld kann man Murmeltiere beobachten. Ein großer Teil der schattseitigen Berghänge ist mit Nadelwald bedeckt. Hasen, Rehe, Fuchs Dachs und Steinmarder haben hier ihre Wohnung. Auch eine Vielzahl von Vögeln haben hier ihr Zuhause: Meisen, Drosseln, Amseln, Spechte, Tannenhäher, Bussarde und der Auerhahn. Auf dem Sandboden der Sonnseite haben sich Föhrenwälder und auf kalkigen Halden Buchenwälder heimisch gemacht. Über der Baumgrenze wurzeln noch die Legföhren (Latschen) und im Bereich der Felsen finden Polsterpflanzen und Flechten noch Nahrung. Hier ist die Heimat der Gemsen. Dohlen streichen entlang der Felswände und der Steinadler zieht über den Berggipfeln seine Kreise.