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Kleine Heimatkunde EllmauWirtschaft

 

Die Straße

Als Verbindung des Inntales mit dem Leukental über den Ellmauer Sattel gab es sicher schon in alter Zeit einen begangenen Weg . Eine erste Erwähnung einer Straße finden wir in der Söllerschen Öffnung (um 1400), in der steht.. "das Kuefstainer Gericht geet hyntz an den Hauspach nach der Straßen an die Linndn, die auf der Markh steend." Als Kaiser Maximilian um 1500 in Innsbruck seine Regierung einrichtete, erlangte die Straßenverbindung über Salzburg zu den innerösterreichischen Stammlanden an Bedeutung. Seit dieser Zeit sind Nachrichten über den Boten- und Postverkehr erhalten.
Die Straßenerhaltung oblag in früheren Jahrhunderten den Anrainern und Ortsgemeinden. Erschwert wurde der Verkehr in den Wintermonaten durch Schneeverwehungen. Auf Grund des schlechten Zustandes dieser wichtigen Straße übernahm die Regierung in Innsbruck 1697 die Erhaltung der Straße. Dafür hob sie Wegegeld ein und errichtete in Going eine Zollstelle. Der hier amtierende Zöllner und Weggeld-Einnehmer war kaiserlicher Beamter, der für die Erhaltung der Straße zwischen Söll und St. Johann zuständig war. Er bestellte Wegmeister und Wegknechte, die Wege und Straßen, Archen und Brücken instand halten mußten. Zum Schneeschöpfen wurden weitere Arbeitskräfte eingestellt. Die Leute mußten ehrlich, redlich, fleißig und getreu arbeiten, zueinander freundlich, friedlich und gerecht sein. Einheimische Arbeiter mußten fremden vorgezogen werden. Der Zöllner bekam 45 Kreuzer Taggeld, die Wegmeister erhielten 18 Kreuzer, die Knechte 16 und die Taglöhner 14 Kreuzer. Jeder Fuhr- oder Gewerbsmann, der bei dem Zoll auf der Prama zu Gayen ankam, bezahlte für jeden großen Wagen mit 3 , 4 oder mehr Rossen jährlich einmal 20 Kreuzer, für einen Wagen mit 2 Rossen 15 Kreuzer, für einen Karren mit 1 Roß 10 Kreuzer.

In Ellmau erwähnte Wegmacher:

1797 Peter Jufinger
1810 Bartholomeus Marchsteiner
1846 Ander Eder
1865 Kristian Singer
1868 Wilhelm Rudolf

Im Lauf der Jahre waren immer wieder Reparaturen und Verbesserungen notwendig. Beim Gute Oberachen wurden Archen zum Schutze der Landstraße vor Hochwasser errichtet, Brücken erneuert, Hohlwege aufgefüllt, die Straße teilweise auf 22 Schuh (etwa 6,6 m) verbreitert und begradigt, so auch bei den Häusern beim Steinernen Tisch. 1898 und 1899 verwüsteten mehrere Hochwasser die Straße beträchtlich und zerstörten die Verbauung der Bäche. Sie wurden unmittelbar darauf erneuert. Gegen den Bau einer Eisenbahnlinie durch das Sölland sprachen sich die Fuhrunternehmer des Söllandes aus, so wurde die Giselabahn 1875 durch das Brixental gebaut. Durch den Ausbau der Eibergstraße 1910 entstand nicht nur eine bessere Verbindung mit der Bezirkshauptstadt Kufstein sondern auch eine Nord- Südverbindung über den Paß Thurn , die eine Steigerung des Reiseverkehrs brachte, der 1967 durch die Eröffnung der Felbertauernstraße bedeutend verstärkt wurde.
1933 sollte die Straße durch das Sölland neu trassiert und die Dörfer Going und Ellmau umfahren werden. Die Ellmauer Gastwirte wehrten sich dagegen, weil sie fürchteten, nach dem Bau der Umfahrungsstraße das Geschäft mit den durchreisenden Mobilisten zu verlieren. 1937 bis 1941 wurde dann die geplante Neutrassierung doch durchgeführt, und zwar wurde die Straße nach Norden verlegt und über den Hausbach eine Brücke gebaut, dadurch konnten zwei Ortsdurchfahrten und die Steigung durch den Hohlweg beim Marcherbichl, der im Winter häufig durch Schneeverwehungen unbefahrbar war, vermieden werden.
Nach dem zweiten Weltkrieg erlebte die Bundesstraße Nr. 1 als Ost-West-Verbindung zwischen Salzburg und Innsbruck eine so starke Verkehrsbelebung, daß die Anrainer darunter noch heute zu leiden haben. Man plante daher den Bau einer Schnellstraße von Wörgl über Söll nach St. Johann. Der Autobahnast in Wörgl wurde 1970 errichtet, der Bau der Schnellstraße entlang des Kaisergebirges wurde aber aus Gründen des Landschaftsschutzes nicht durchgeführt.

Die Ellmauer Poststation

Ein regelmäßiger Postverkehr zwischen Innsbruck und den innerösterreichischen Stammlanden bestand seit Beginn des 16. Jahrhunderts. Die Poststation Ellmau wird erstmals 1507 in einer Abrechnung des Innsbrucker Postmeisters über die ausständigen Forderungen der Postboten von Innsbruck und Salzburg erwähnt: "Postbot in der Ellen 23 fl.". 1510 wird dann noch berichtet, daß der Abstand zwischen den einzelnen Stationen 8 Meilen betrage. 1559 wird ein Postbote Hieronymus Praunhofer von Ellmau genannt, der durch Unglück und hauptsächlich durch die üble Nachrede des Postboten von Kundl von seinem Posten gekommen war und für den sich Erzherzog Ferdinand beim Obristhofpostmeister Christof von Taxis verwendete. 1568 war Ellmau wie andere Postplätze mit 2 Pferden versehen, wobei monatlich 8 fl. für ein Pferd bezahlt wurden. 1646 vertraut die Hofkammer in Innsbruck dem "Salzburger Boten Michael Kaisermann in Ellmau" die amtlichen und privaten Schreiben nach Rattenberg und Kitzbühel an. Damit taucht dieser Name zum erstenmal im Postdienst auf, in dem diese Familie zwei und ein halbes Jahrhundert tätig war. Zum Unterhalt von 2 Pferden und wöchentlich 2 Ritten zur Beförderung der durchlaufenden Wiener Post und der Stafetten erhielt der Ellmauer Posthalter 156 fl.. Das betraf die abgeschlossene Post, die in Felleisen oder Pulgen zwischen Wien und Innsbruck befördert wurden. Am 24.2.1647 wird Michael Kaisermann und allen seinen Leibeserben ein Wappen verliehen.
Ihm folgte 1666 sein Sohn Georg Kaisermann. Er war Postmeister, Salzburger und Kitzbüheler Bote. In einem "Bestallungsbrief" des Generalerbpostmeisters von Thurn und Taxis wurde er verpflichtet, soviel Pferde zu halten, daß die Postsachen und Postreisenden jederzeit weiterbefördert werden konnten. Kaiserliche Post sollte vordringlich befördert werden. Im Kriegsfalle durften bei Strafe die Postrosse nicht an verdächtige Personen und Rebellen vergeben und Personen ohne "genuegsamben Urkundt" nicht weiterbefördert werden. Auch verschiedene andere Bedingungen mußte er einhalten. Johann Kaisermann übernahm nach dem Tode seines Vaters 1708 die Poststation in Ellmau. Er heiratete die Tochter des Postmeisters von Kundl und erbte dessen Amt. 1719 ließ er die Maria Heimsuchungs Kapelle erbauen.
Bis 1902 blieb die Poststation in Ellmau und das Amt des Postmeisters in der Familie Kaisermann Im Laufe der Zeit wurde die Zahl der Poststationen und deren Standorte immer wieder verändert. Zu den alten Poststationen Schwaz, Kundl, Ellmau und Waidring kamen St. Johann , Wörgl und Söll dazu. Ende des 18. Jahrhunderts verkehrte fahrplanmäßig jeden Samstag und Dienstag abend und alle vierzehn Tage Freitag früh ein Postwagen in Richtung Innsbruck und jeden Montag und Donnerstag nachmittag und Dienstag abend in Richtung Salzburg. Die Briefpost aus Salzburg kam Sonntag, Dienstag und Freitag in der Nacht, die aus Ober- und Niederösterreich Donnerstag nacht vorbei, in der Gegenrichtung Montag, Mittwoch, Donnerstag und Samstag abends. 1856 verkehrte die Post täglich. Nach Eröffnung der "Giselabahn" Salzburg - Wörgl 1875 verlor die Straßenverbindung viel von ihrer Bedeutung. Am 1. August 1864 fuhr der letzte Postwagen von Wörgl nach Salzburg.
1890 hatte Ellmau bereits ein Postamt. Es war im Gasthof "Post" untergebracht.
1901 wurde ein Telegraph und 1908 eine Telefonsprechstelle eingerichtet.
Seit 1912 verkehren Postauto auf der Strecke Kufstein - Söll - Scheffau- und Ellmau und anfangs der Dreißigerjahre wurde die Postautolinie Wörgl - Söll - Ellmau eingerichtet. Zwischen 1970 und 1976 war das Postamt im sogenannten Mesnerhaus untergebracht bis es schließlich am 20. September 1976 im Appartmenthaus Ellmau Nr.48 neu eröffnet wurde.

Postamt

Die Postmeister

Michael Kaisermann
1666 - 1708 Georg Kaisermann
1708 - 1750 Johann Kaisermann
1750 - 1759 Josef Jakob Kaisermann
1759 - 1778 Ursula Kaisermann
1778 - 1830 Johann Kaisermann
1830 - 1854 Josef Kaisermann
1854 - 1862 Alois Kaisermann
1862 - 1889 Johann Georg Kaisermann
1889 - 1898 Otto Georg Kaisermann
1898 - 1902 mj. Otto Kaisermann
1902 - 1915 Oreste Tonidandel
1915 - 1917 Antonie Lugnani
1917 - 1929 Maria Fuchs, Josefine Mitterhofer, Silvia Nardin, Barbara Kronreif, Klara Leitner, Anna Bramböck, Johann Hochfilzer
1929 - 1936 Rudolf Jennewein
1937 - 1963 Franz File
1963 - 1967 Josef Sollerer
1967 - 1968 Sebastian Jöchl
1968 - 2003 Fritz Palma.
2003 - 2010 Franz Wurzer
2010 - Auflösung des Postamts Ellmau

Bergbau

Als sich im 16. Jahrhundert der Bergbau um Kitzbühel immer mehr ausbreitete, entstanden am Rerobichl Bergbaue, deren Erzlager bis in das Gemeindegebiet von Going und Ellmau reichten. Einer Sage nach, wurde das Erz am Rerobichl 1539 von drei Bauern entdeckt, die auf dem Rückweg vom Kirchweihfest unter einem Kirschbaum ihren Rausch ausschliefen und dabei träumte jeder von einem großen Schatz, auf dem er lag. Beim Erwachen scharrten sie den Boden auf und fanden das Erz. Die Kunde von diesem Glücksfund verbreitete sich rasch, und in kürzester Zeit bewarben sich Bergbauinteressenten um Schürfrechte. Da Stollenbau wegen des flachen Geländes nicht möglich war, wurden Schächte entlang der Erzgänge in die Erde getrieben. Der Abbau galt einem kupfer- und silberhältigen Erz, dem Fahlerz, das in den Grauwacken der Schieferalpen lagerte. Zum Betrieb von Aufzugsmaschinen der Bergwerke wurde Wasser der Weißache durch einen Wassergraben (Gablgraben) zum St. Georgenschacht im Edertal geleitet. Eine Bergwerksordnung des Landesfürsten regelte die Pflichten und Freiheiten der Arbeitgeber (Gewerken) und der Arbeitnehmer (Bergwerksverwandten).Der Landesherr ließ sich die Privilegien dadurch abgelten, daß er vom Erz jeden zehnten Kübel für sich behielt (Fron) und außerdem einen oder einen halben Gulden von jeder Mark Silber (Wechsel) verlangte.
Die Laufbahn eines Knappen begann oft schon mit zehn bis zwölf Jahren als "Klauber" und "Säuberer", setzte sich "vor Ort" als Lehnhäuer (auf eigene Regie) oder als Herrenhäuer (Stundenlohn) fort und endete nicht selten als Unternehmer oder Bergmeister.
Der Zulauf von Knappen aus den Bergwerken der Grafschaft Tirols war so groß, daß sich auch in der näheren Umgebung Knappen ansiedelten. Die Unterbringung der Knappen in Ellmau erfolgte zum großen Teil durch Errichtung von Häusern auf "freiem Achengrund" entlang der Weißache. Es war dies noch nicht verteilter Grund des Landesfürsten, der nun besiedelt wurde. 1556 wurden zahlreiche Knappen vom Urbarrichter in Kufstein mit Söllhäusern samt dazugehörigem Garten (28 Schritte im Quadrat) belehnt. Sie mußten jährlich dem Meraner Amt ihre Abgaben leisten. Ein Problem war die Versorgung der Knappen mit Weide für die von ihnen gehaltenen Tiere und mit Holz. Die Nachbarn beklagten sich, daß die Knappen zu viel "großes und kleines Vieh" auf die Weide treiben würden. Daraufhin wurde ihnen das Recht auf Viehhaltung auf eine Melkkuh je Haushalt eines Verheirateten beschränkt und die Verpflichtung auferlegt, die Lasten des Weiderechtes, z.B. Steineheben, mitzutragen. Statt der Kuh konnte man auch ein Schwein auf die Weide schicken. Ledige hatten nicht das Recht der Viehhaltung.
Diese Sonderrechte hatte der Landesherr den "Bergwerksverwandten" zugesichert, Sonderrechte, die von einem Bergrichter überwacht wurden. Für die beiden Gerichte Kufstein und Kitzbühel war der Bergrichter in Rattenberg zuständig, der von einem Berggerichtsanwalt vor Ort vertreten wurde. In einer Urkunde vom Jahre 1549 wird ein "Matthias Perbüchler, Berggerichtsanwalt in Ellmau" genannt. Der Hausname "Beim Anwalt" für das Haus Gurtner (Steinerner Tisch) erinnert an die Behausung dieses Beamten. Der Berggerichtsanwalt sollte als Anwalt die Bergwerksarbeiter bei Lohnstreitigkeiten gegenüber den Gewerken vertreten, aber auch über die Einhaltung der Arbeitszeit wachen. Er durfte Kaufbriefe, Schuldbriefe, Verträge oder briefliche Urkunden verfachen, wenn es um niedrige Summen ging. Dem Holzmeister mußte er bei der Aufrechterhaltung der Ordnung im Walde an die Hand gehen.
Zwischen 1549 und 1620 sind Hanns Hunzbüchler, Mathäus Perpüchler, Stephan Stöckl, Mathias Wider, Georg Aur und Wolfgang Pfliegl als Berggerichtsanwälte bekannt.

Landwirtschaft

Aus der erwähnten Urkunde des Klosters Herrenchiemsee um 1155 ist zu ersehen, daß die Grundherren nicht nur Grund und Boden, sondern auch die Bauern ihr "Eigen" nannten und über sie verfügen konnten. Leibeigene Bauern hatten wenig Rechte. Sie konnten jederzeit entlassen werden, brauchten die Heiratserlaubnis des Grundherrn, der auch ihr Richter war. Wir können aber annehmen, daß der Grundherr den Bauern wenig belästigte, sofern er pünktlich den Grundzins ablieferte und den sonstigen Verpflichtungen nachkam. Um 1150 erhalten die Andechser von den Rapotonen deren Familienbesitz im Sölland und errichten das sog. "Meraner Amt", um die Güter besser verwalten zu können. 1256 geht die Landgrafschaft im "Indale" an die Herzoge von Bayern über. In einem späteren Güterverzeichnis des Herzogtums Bayern werden aus dem Söllandl 53 Höfe und ihre Abgaben angeführt, davon aus Ellmau:
Hesental (Mühltal?) gibt 1 Emper Wein und 1 Schaft für 3Pfg
Ecke (Egg) gibt 1 Pottich Wein, 1 Metzen Roggen, 2 Metzen Hafer, 12 Pfg., 1 Schaf für 9 Pfg.,Flachs für 6 Pfg.
Awe (Au?) gibt 2 Emper Wein
Swent (Hochschwent) gibt 1 Emper Wein und dem Propste 30 Pfg.
Haesenberch (Hasenberg) gibt 1 Lagel Wein, einen und einen halben Metzen Hafer und 9 Pfg.
Nidermosen (Niedermoosen) gibt 1 Pottich Wein, 2 Metzen Hafer, 42 Pfg., 2 Schafe für 12 Pfg. und Flachs für 6 Pfg.
Vaeistenpühel (Niederleiten?) gibt 4 Emper Wein, 1 Metzen Korn, 2 Metzen Hafer, 1 Schaf für 9 Pfg., Flachs für 6 Pfg. und nochmals 21 Pfg.
Menninstat (Oberleiten) gibt 4 Emper Wein, 1 Metzen Korn, eineinhalb Metzen Hafer, 21 Pfg., ein Schaf für 9 Pfg. und Flachs für 6 Pfg.
Sweichlehen (Schwaighof) gibt 1 Lagel Wein, 1 Metzen Korn, ein und eineinhalb Metzen Hafer, 21 Pfg., 1 Schaf für 9 Pfg, Flachs für 6 Pfg.
Harmstat (Harmstätt) gibt 1 Lagel Wein, ein und eineinhalb Metzen Hafer, ein Schaf für 9 Pfg., weitere 9 Pfg., dem Kämmerer 6 Haarreisten.
Im Reid (Ried) gibt 1 Emper Wein.
Viltzen (?) gibt 1 Emper Wein.
Duo Puch (Vorder- und Hinterbuchau) geben 1 Pottich Wein, 3 Metzen Hafer und und 18 Pfg.

Unter den Gütern, die in Ellmau auch an das Kloster Baumburg am Chiemsee grundpflichtig waren, werden in einem Güterverzeichnis aus dem 15.Jahrhundert erwähnt:
AW, der Stiftshof.. dient 14 pfd.pnr.
Vetterstett .. dient 12 pfd.pnr. 1 Metzen Habern 1 Huen
Schraitling .. dient 16 kr., 1 Metzn Habern, 1 Huen
Niedermühlberg .. dient 12 pfd. pnr. 1 Metzen Habern, 1 Huen.
Kirchpüchel .. dient 12 pfd. pnr., 1 Metzen Habern, 1 Huen.
Pietring ... dient 14 pfd.pnr., 1 Metzen Habern, 1 Huen
Chalchgrueb ... dient 2 pfd.pnr., 1 Metzen Habern, 1 Huen.
Oberachen ... dient 3 pfd.pnr., 1 Metzen Habern, 1 Huen.

Einmal im Jahr, gewöhnlich im Herbst, besuchten die Grundherren oder Bevollmächtigten die Bauleute ihrer Güter und hielten "Stift", wobei sie sich von der Güte und Vollzähligkeit der Abgaben überzeugten und ausgiebig das Recht auf Bewirtung in Anspruch nahmen. So war dem Stiftshofe zu Au die Verpflichtung auferlegt, den Herren des Klosters, die zum Stiftstage kamen, Unterkunft und Verpflegung zu gewähren und Futter für zwölf bis vierzehn Pferde bereitzustellen. Wein sollte in einem Tragkorb Tag und Nacht auf dem Tisch stehen. Der Bauer von Schraitling mußte die nötigen Botendienste besorgen.

Ackerbau und Viehzucht

Der Umstand, daß die Bauernhöfe im großen und ganzen seit dem späteren Mittelalter bzw. der frühen Neuzeit unverändert bis in unsere Tage bestehen blieben, läßt wohl den Schluß zu, daß sie ihren Besitzern das Auskommen ermöglichten. Aus der Tiroler Getreidebeschreibung des Jahres 1615 ist ersichtlich, daß die Ellmauer Bauern hauptsächlich Weizen, Roggen, Gerste und Hafer angebaut haben. In den Bauerngärten pflanzte man Kraut, Erbsen und Bohnen. Erdäpfel gab es seit Anfang des 19. Jahrhunderts. Der Obstbau beschränkte sich auf Äpfel, Birnen Kirschen und Pflaumen. Da in den Abgabenlisten der bäuerlichen Untertanen im Mittelalter meistens Wein und Getreide aufscheinen, vermuteten Historiker, daß in unserer Gegend auch Weinbau betrieben wurde. Der Chronist neigt zur Ansicht, daß der Wein auf dem Tauschwege im Süden Tirols von Säumern gehandelt wurde, da diese auch nach altem Recht Wein ins Land bringen und außerhalb von den Städten verkaufen konnten. Der Flachsbau war ziemlich verbreitet. Fast zu jedem Bauernhof gehörte eine Bad- oder Brechlstube. Die größeren Bauern produzierten nicht nur für ihren eigenen Bedarf, sondern konnten auch Überschüsse verkaufen. Ihren zusätzlichen Bedarf an Getreide deckten die Bewohner in Bayern. Seit den 1960er Jahren haben die Bauern den Ackerbau ganz aufgegeben.
Wir können auch annehmen, daß im Mittelalter die Viehzucht dominierend war. Milchprodukte waren nicht so haltbar wie das Getreide, deshalb eigneten sie sich nicht als Grundgilten. Bei einer Viehzählung 1900 zählte man in Ellmau 1207 Rinder, 163 Schafe 103 Ziegen 38 Pferde. Schweine und Hühner sind nicht berücksichtigt. 1995 gab es in Ellmau 1247 Rinder 37 Schafe, 12 Ziegen und 29 Pferde. Von Anfang Mai bis Mitte September sind die Tiere auf der Alm. Die meisten Almen sind heute mit einem Fahrweg erschlossen. Die größte Ellmauer Alm ist die Hartkaiseralm. 163 Kühe werden heute von 2 Sennern betreut.
1898 gründeten 12 Bauern eine Sennereigenossenschaft, um die Milchprodukte besser vermarkten zu können und bauten eine Käserei, das Schweizerhäusl (Wexhäusl). 1939 waren noch 66 % der Bevölkerung zumindest teilweise in der Landwirtschaft beschäftigt. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges konnte man Ellmau als eine überwiegend bäuerliche Gemeinde bezeichnen.

Forstwirtschaft

Seit alters her hatten Bauern und Sölleuten das Recht, Heiz- und Baumaterial für Häuser, Zäune und Brücken aus dem Wald zu beschaffen. Manche hatten auch das Recht, Vieh auf die Waldweide zu treiben und Streu zu entnehmen. Manche Bauern hatten auch eine Heimwaldung. Auch die Bergwerke deckten ihren Holzbedarf in den Wälder der Umgebung. Die Dorfbewohner mußten sich oft gegen übermäßigen Holzverbrauch der Bergwerke zur Wehr setzen.
Ein Forstknecht mußte Wald und Wild vor Schädigung und Verschwendung schützen und darüber wachen, daß kein Wald in Weide- oder Ackerfläche umgewandelt und im Wald kein Haus errichtet wurde. Holz durfte jeder Berechtigte nur soviel entnehmen, als er zum eigenen Bedarf unbedingt brauchte. Ausdrücklich verboten war das Schlagen von Eiben und Tannen, das Anbohren der Bäume zur Pechgewinnung und das Pechbrennen. Der Forstknecht war auch für das Wohlergehen des Wildes im Revier verantwortlich. Für das Erlegen schädlicher Tiere erhielt er eine Prämie.
Der Wald beherbergte bis in die frühe Neuzeit Wildschwein, Hirsch, Gams, Reh, Hase, Eichhörnchen, Auer- und Spielhahn, Hasel- und Steinhuhn, Otter, Marder, Fuchs, Luchs, Wildkatze, Iltis, Bär und Wolf. Das Jägerbuch Herzog Ludwigs von Bayern vom Jahre 1418 erwähnt noch einen Wolf- und Bärenjäger. Im 19. Jahrhundert war Ellmau der Sitz eines Forstamtes. Es verwaltete die Wälder der drei Gemeinden des Söllandes und umfaßte 1900 Joch staatlichen Hochwald und 5893 Joch Verleihwälder der Untertanen.
Im Zuge der Grundablösung 1848 erhielt die Gemeinde Ellmau einen Teil der im Gemeindegebiet gelegenen staatlichen Wälder mit der Auflage, den nutzungsberechtigten Gemeindemitgliedern den Bezug von Holz und Streu zu gewähren. Wer Nutzungsberechtigter war, wurde nach langem Rechtsstreit von der Verwaltungsbehörde festgelegt. Aus einer alten Beschreibung des Waldes wissen wir, daß früher noch größere Buchenbestände vorhanden waren. In den Fichtenwäldern waren auch Tannen, Lärchen und Buchen zu finden. Auch Eichen, Ulmen und Ahorn werden erwähnt.

Jungbauern und Landjugend

1949 wurde unter dem Patronat des Bauernbundes in Ellmau eine Jungbauerngruppe und Landjugend gegründet. Mit Bildungsangeboten der Bezirkslandwirtschaftskammer und durch Leistungswettbewerbe soll die ländliche Jugend für das bäuerliche Leben geschult und der Landflucht begegnet werden. So wurden Traktor-, Mäh- und Melkwettbewerbe, Koch- und Nähkurse durchgeführt und bäuerliches Brauchtum wie Maibaumaufstellen und Erntedank veranstaltet. Hornschlittenrennen und Jungbauernbälle dienen der Kameradschaftspflege. Die Einnahmen bei diesen Veranstaltungen werden sozialen Zwecken zugeführt. 1989 feierten Jungbauern und Landjugend mit einem dreitägigen Fest ihr 40 jähriges Bestehen.

Verein für Obst-, Gartenbau und Landschaftspflege

Zur Hebung des Obst- und Gemüsebaues und zur Verwertung dieser Produkte wurde 1912 ein Obst- und Gemüsebauverein gegründet. Besonderen Aufschwung brachte der Bau der Mostverwertungsanlage 1950. Sein 80 jähriges Bestehen feierte der Verein mit einer großen Ernteausstellung. Die bisherigen Obleute: Anton Gugglberger, Johann Salvenmoser, Friedl Steinlechner, Josef Leitner und Maria Leitner.

Gewerbe

Da sich bis in neuere Zeit die Bauern hauptsächlich selbst versorgten, gab es früher wenig Handwerker. Im 17. Jahrhundert sind uns nur 1 Wirt, 1 Krämer, 4 Müller, 2 Schmieden, 1 Säge, 1 Metzger bekannt. 1 Lederer, 1 Schuster, 1 Weber und 1 Schneider gingen bei den Bauern auf die Stör. Sie wohnten in den Söllhäusern. Einige Ellmauer verschafften sich durch Kohlenbrennen für die staatlichen Bergwerke und für die Schmieden ein zusätzliches Einkommen. Die bäuerliche Bevölkerung war also wirtschaftlich deutlich besser gestellt als Handwerker und Kaufleute, ganz zu schweigen von den unselbständig Erwerbstätigen.

Wirte

Das älteste Ellmauer Wirtshaus ist beim "Wirt", heute Hotel Hochfilzer. Schon im mittelalterlichen Weistum des Söllandes wird auf das alte Gewohnheitsrecht einer "Tafern" in Ellmau verwiesen. Der älteste bekannte Wirt ist Gilg Stöckl (1470). Das Wirtshaus wechselte mehrfach den Besitzer. 1832 erwarb Jakob Hochfilzer das Anwesen, das seine Nachkommen heute noch bewirtschaften.
1851 gab es in Ellmau vier Wirtshäuser: Beim Wirt, Eigentümer Hochfilzer, Posthaus, Eigentümer Kaisermann, Sternwirt, Eigentümer Walcher, Lobewein, Eigentümer Stöckl. 1901 kaufte die Gemeinde das Sternwirtshaus, um es als Schulhaus zu verwenden. Gegen eine Zahlung von 4200 K durch die drei Wirte, verpflichtete sich die Gemeinde, die Verleihung einer neuen Konzession für das Wirtsgewerbe mit allen Mitteln zu verhindern. Deshalb wurden auch alle Ansuchen um Genehmigung einer Gastgewerbekonzession immer mit der Begründung abgelehnt, daß kein Bedarf bestehe. Erst die Entwicklung des Fremdenverkehrs in den 1950er Jahren bewirkte den Bau von neuen Gast- und Beherbergungsbetrieben. Schmiede Huf- und Nagelschmieden waren für die Landwirtschaft unentbehrlich. Fachgemäßes Beschlagen der Pferde konnten die Bauern nicht selbst durchführen, so wird es einen Dorfschmied seit alters her gegeben haben. In späteren Jahren gab es auch einen Hufschmied beim Schmiedbauern.
Der Name "Kößler" deutet darauf hin, daß hier einmal ein Kößlschmied gearbeitet hat. Er besaß die Waffenschmiedgerechtsame mit 3 Hämmerm und Essen. 1810 erwarb der Sensenschmied Simon Kainer die Schmiede. Die Sensenerzeugung erreichte zeitweise einen beträchtlichen Umfang. So wurden im Inland 7200 fl. und im Ausland 2400 fl. im Jahr umgesetzt.
Eine Schmiede im Sauwinkl hatte zwei Essen und drei Wasserhämmer. Sie war verpflichtet, dem Dorfschmied von Ellmau jeden Freitag unentgeltlich das Ausschmieden größerer Eisenstücke und das Schleifen zu gestatten. 1888 erwarb der Innsbrucker Handelsmann Anton Köllensberger die Liegenschaft mit Schmiede, Eisendreherei, Eisengießerei und Holzschneidesäge. Die Schmiedewerkstätte mit Nebengebäuden erwarb 1890 der Mechaniker Johann Kaufmann. Daraus entstand um 1900 die Ellmauer Holzmöbelfabrik, die 1929 von den Gebrüdern Michael, Josef, Martin und Georg Feiersinger erworben und zur Tiroler Holzverwertungsfabrik ausgebaut wurde.

Raiffeisenkasse

Die Raiffeisenkasse wurde am 8.12.1897 gegründet. Dem ersten Vorstand gehörten Sebastian Hauser, Krämer in Ellmau als Obmann, Josef Strobl, Bauer, als sein Stellvertreter, Valentin Salvenmoser, Bauer, und Otto Kaisermann, Postmeister und Wirt, als weitere Mitglieder an. Hauser wurde schon 1899 als Obmann durch den Schmiedmeister Franz Kroihs abgelöst, der dieses Amt bis 1919 versah.
Bis in die 1950er Jahre beschränkte sich die Tätigkeit des Vereins auf Kreditgewährung an die Mitglieder und die Entgegennahme von Spareinlagen. 1902 erhielt die Raiffeisenkasse im neuen Schulhaus einen Amtsraum gegen eine jährliche Miete von 32 K. Die Raumbeschaffung war schon dringend geworden, denn der Zahlmeister hatte mit dem Rücktritt gedroht, falls dem Verein kein Zimmer zur Verfügung gestellt würde. 1958 führte die Kasse den Geldwechsel ein. Die Kasse war im Laufe der Jahre in verschiedenen Lokalen gegen Miete untergebracht, bis sie 1970 ihr eigenes Heim beziehen konnte. Dieses wurde 1984 erweitert. Die Kasse hatte das angrenzende Feuerwehrhaus erworben und ließ beide Gebäude von Architekt Peter Bichler zu einem modernen Dienstleistungszentrum umbauen, in dem auch die Geschäftsräume des Fremdenverkehrsverbandes untergebracht wurden.

Der Fremdenverkehr

Ellmau liegt an der Hauptstraße von Innsbruck nach Salzburg und Wien und hatte dementsprechend einen recht bedeutenden Durchgangsverkehr. Die Chronik erzählt von herrschaftlichen Reisenden, wie die französische Kaiserin Maria Luise von Habsburg, von der russischen Kaiserin, von Kaiser Franz I., vom König der Preußen und Alexander I. von Rußland. Der aufstrebende Alpinismus spielte um die Jahrhundertwende für den Fremdenverkehr eine bedeutende Rolle. Ein bekannter Bergführer des Ortes, der zahlreiche Erstbesteigungen im Kaiser ausführte, war Johann Schlechter, genannt "Mallhansl". 1869 erstieg er Mit Carl Hofmann die Ellmauer Halt. 1899 errichtete die Akademische Sektion des Deutsch-Österreichischen Alpenvereins Berlin die Gaudeamushütte im Kübelkar. Ein Jahr danach baute das Turner Alpenkränzchen München die Gruttenhütte. Die Gaudeamushütte wurde 1924 durch eine Lawine zerstört. 1927 baute man sie an lawinensicherem Ort wieder auf.
In der Zwischenkriegszeit entwickelte sich der Fremdenverkehr bis zur 1000 Marksperre zufriedenstellend. Die Familie Leitner von der Jausenstation Au errichtete 1928 das erste Schwimmbad. Der aufkommende Autoverkehr verbesserte das Straßengeschäft, so daß die Wirte eine Verlegung der Straße außerhalb des Dorfes ablehnten. Erst 1942 wurde die Ortsumfahrung fertiggestellt.
1950 wurde zur Förderung des Tourismus ein Verkehrsverein gegründet. Man plante Ortsverschönerung, Ruhebänke, Ortstafeln, und Wegweiser. Zur Belebung der Wintersaison wurde 1951 ein Sessellift auf der Postbauernleiten errichtet. Als 1954 die "Hummelreise" Ellmau in ihr Programm aufnahm, stiegen die Nächtigungszahlen beträchtlich. Es begann auch eine schnelle Zunahme der Beherbergungsbetriebe. 1994 eröffneten Gemeinde und Tourimusverband das "KaiserBad" ein modernes Freizeitzentrum. Einen weiteren Aufschwung des Winterreiseverkehrs brachte der Bau der Hartkaiserbahn 1972.
Die Liftgesellschaften Going, Ellmau, Scheffau, Brixen und Söll schlossen sich 1977 zu einem Schigroßraum zusammen, Hopfgarten, Itter und Westendorf folgten (SkiWelt Wilder Kaiser/Brixenthal).

Hartkaiser-Standseilbahn

Um von den Witterungseinflüssen unabhängiger zu sein, bauten die Liftgesellschaften Ellmau und Going eine Beschneiungsanlage mit einem großen Wasserspeicher auf dem Astberg. Für die Betreuung der Wintergäste standen Schischulen zur Verfügung. Schon 1938 erhielt Alois Nagiller eine Schischulkonzession. 1950 erweiterte der Inhaber der Schischule St.Johann Hias Noichl seine Konzession auf das Gemeindegebiet von Ellmau. Die Schischulen Wenzel Pravda, Friedl Fuchs, Dietmar Maier, und Hans-Peter Haider folgten. Der Fremdenverkehr ist der Hauptfaktor für die wirtschaftlichen Veränderungen des Ortes. Er hat die Erhaltung der landwirtschaftlichen Betriebe als Nebenerwerb und die Gründung verschiedener Gewerbebetriebe ermöglicht.